|
Viele Eltern-Infos klingen meist so, als wenn Eltern nun von
Natur aus gar keine Ahnung vom Internet haben und als wenn das
auch immer so bleiben wird, weil sie mit der neuen Technologie
hoffnungslos überfordert wären.
Das ist eine voreilige Verallgemeinerung. Dem ist ganz sicher
nicht so. Es ist auch nicht so, dass erst jetzt Eltern mit dem
Internet zu tun haben. Sicher, für einige mag das gelten, aber
ganz bestimmt nicht für alle.
Bevor es nämlich Eltern-Infos gab,
bevor auch nur ein Fernsehsender in Deutschland wirklich im
Internet war, bevor die Industrie Kinder als mögliche
Multiplikatoren im Internet entdeckte, bevor alles überhaupt
von "Kindern im Netz" redete, gab es bereits Angebote wie die
Blinde Kuh. Denn schon 1996 hatten wir für Kinder spezielle
Surftipps und Informationen ins Netz gestellt. Und das taten
wir als Eltern und wir taten es vorerst für das eigene Kind.
Erst 4 bis 5 Jahre später, was im Internet schon eine recht
große Zeitspanne ist, fing alles an, Online-Angebote für
Kinder ins Netz zu stellen. Dabei gab es verschiedene Arten.
Die einen, die als Mütter hübsche Seiten für Kinder machten,
die anderen, die zum Kinderfernsehen sendebegleitende Angebote
unterhielten, die wieder anderen, die produkterzieherische
Seiten aufstellten, und immer gab es welche, egal ob privat
engagiert oder gar in Institutionen, Staat, oder Unternehmen,
aber eben mehr als alle anderen engagiert, die hatten richtig
Spaß daran, auch mit anderen Redaktionen eine riesige
verteilte Surflandschaft für Kinder aufzubauen. Aber, es gab
auch die Tausenden von Trittbrettfahrern und Nachahmern, die
hier klauten und da klauten und "das ganze Internet" noch
einmal nachbauten, um es in ihrem Design zu präsentieren.
Jedenfalls, lange Vorrede, kurzer Sinn, von Anfang an waren es
auch Eltern, die das Internet der Kinder bauten und dies auch
in Deutschland. Zwischen Eltern, Journalisten, Pädagogen,
Technikern und was nicht alles wurde damals eigentlich gar
nicht unterschieden, alle zusammen waren sich einig, jeder
baute einen Teil der Kinderseitenlandschaft und nur zusammen
ergab das einen Sinn. Es war eben Internet-Aufbruch-Stimmung.
In manchen Texten liest sich das so als hätte das Unternehmen
oder gar der Fernsehsender das "kindgerechte" Internet selbst
erfunden.
Doch immer wieder stoßen Sie dann
auf diese merkwürdigen Leute, die damals, in den ersten Tagen
des Internet, die ersten Kinderseiten machten. Eine davon ist
Birgit Bachmann von der Blinden Kuh. Ein anderer ist Tobias
Gehle von WDR5 Radio Lilipuz. Und wieder ein anderer ist
Toddys Wolf-Kinderclub. Und da ist noch einer, der nennt sich
Kindersache vom Deutschen Kinderhilfswerk. Und viele mehr.
Einige verschwanden, einige kamen hinzu, wie etwa Kidsville
oder Sowieso-Online-Magazin. Alles Kinderseiten, auf die Sie
immer wieder stoßen werden. Selbst Unternehmen fanden sich
hier ein, genauer eigentlich eher die Redaktionen, ob nun aus
Verlagen wie Tessloff, mit Was Ist Was oder Gruner+Jahr mit
Geolino und viele andere. Es geht dabei nicht um eine
verschworene Gemeinschaft oder so etwas, sondern eher um einen
Austausch an Erfahrungen. Weil eigentlich alle das gleiche
Problem haben, nicht Kinder im Internet, sondern das, was
alles drum herum ist. Also, wie sichert man die Kinder auf den
eigenen Seiten und zwischen den Seiten? Wie informiert man sie
über aktuelle Bedrohungen aus dem Internet, vor allem aber wie
sorgt man dafür, dass das, was sie wollen, auch irgendwie
wieder auf diesen Seiten zu entdecken ist. Ob nun
Partizipation, Information, Kommunikation oder Navigation, die
Probleme sind bei allen Kinderseitenanbietern gleich. Also,
Sie sehen, es ist schon so, dass sich da Leute ein paar
Gedanken machen und versuchen, das alles etwas zu optimieren.
Nicht für sich, sondern für die Kinder im Netz. Sie werden
relativ schnell merken, dass es hier sehr oft Namen von
Personen sind, weniger die "Marke" oder ähnliches. Diese
Seiten haben Menschen, die diese Seiten machen. Einige davon
sind auch Eltern und einige davon haben als Eltern derartige
Seiten gebaut, und eine davon wiederum ist die Blinde Kuh.
Wenn wir also von "Internet" reden, dann
nicht von einem Produkt eines Unternehmens, sondern von einem
tatsächlich Neuem Medium. Das einzige was an diesem Medium neu ist, es
gehört niemanden und jeder darf
nicht nur empfangen, sondern auch senden. Wir reden nicht von
"Kinderportalen" weil das ehrlichgesagt albern ist, wir reden von der
Kinderseitenlandschaft. Was soll denn das sein, ein Kinderportal?
Für was soll das ein Portal sein, etwa für das Internet? Wer bestimmt
denn
das? Das redet die Presse gern daher, weil die redet gern und will auch
mal was sagen. Aber, so etwas wie ein Kinderportal, so dass sich dieser
Ausdruck lohnt, gibt es überhaupt nicht. Einige Unternehmen hätten das
natürlich gern, ein Portal zu sein, aber wie komisch ist das denn? Nein,
dies hier ist die Kinderseitenlandschaft. Die Blinde Kuh ist kein Portal
zur Kinderseitenlandschaft, sie ist lediglich eine von vielen
Kinderseiten. Sie hat zwar eine Portalfunktion, weil man über sie an
recht viele Seiten recht fix herankommt, aber mehr ist sie eigentlich
ein Navigationssystem mit eigenen inhaltlichen Angeboten. Und sie
ist ein Symbol. Klingt lustig, gemeint ist, sie steht nicht nur für das
Netz der Kinder als seinerzeit Pioniergeister, sondern sie steht für
eine bestimmte Art von Internet, nämlich das, was man das Freie Internet
nennen könnte. Hier geht es also nicht darum, Geld zu verdienen, das
könnte man garantiert anders leichter haben, sondern hier geht es darum,
die Kinderseitenlandschaft aufzubauen und zu bereichern. Sie werden es
nicht glauben, einfach nur aus dem Grund, weil es irgendwie Spaß macht.
Macht es keinen Spaß mehr, hören wir damit sofort auf. Keinen Spaß macht
das z.B., wenn man Unsummen an Euros bezahlen muss. Keinen Spaß macht
es, wenn man sich mit Unternehmen herumschlagen muss, die alle meinen,
das Internet für Kinder selbst erfunden zu haben, 5 Jahre nachdem Seiten
wie die Blinde Kuh im Internet waren. Keinen Spaß macht es, wenn
Journalisten einfach nicht begreifen, dass die Blinde Kuh eben keine
Daddelseite ist, sondern strikt Freies Internet und dass man das da eben
so macht. Andere Angebote aus dem Freien Internet sind etwa Die
Suchfibel von Stefan Karzauninkat, SelfHTML von Stefan Münz,
Die Hausfrauenseite von Carola Enning, Internet
Intern von Wolfgang Bleh und viele andere. Sie alle machen ihre
Seiten eben nicht, weil man da toll viel Online-Dollars machen kann,
sondern sie fingen an damit in einer Zeit, als das Wort "Internet" immer
noch mit "Chaos" und "Anarchisten" gleichgesetzt wurde. Was aber nicht
heißt, dass das nun alles Anarchisten sind.
Das alles hat mit einem Internet-Auftritt
eines Unternehmens, das lediglich damit Geld machen möchte, nichts
gemeinsam. Ebenso hat es nichts gemeinsam mit Angeboten von Leuten, die
ihre Selbsterfahrung in HTML gießen und dann nach 3 Monaten keine Lust
mehr haben. Diese Seiten gehören zu den "Dinosauriern" im
Internet, so schreibt es die Presse. Und, von Anfang an waren eben
auch Eltern unter den Machern des World Wide Web. Es war sogar noch
schlimmer, die Blinde Kuh, war sogar eines der ersten Suchmaschinen
überhaupt in deutscher Sprache. Sie war so "revolutionär", dass sie gar
keinen Server in Deutschland fand, damals ging das nur bei Universitäten
und zuerst in Österreich startet. Sie werden es nicht glauben, der
Fachbereich dort hieß nicht Pädagogik, die alle konnten mit "Internet"
überhaupt nichts anfangen, es war das Philosophische Institut in Wien,
auf dem die erste deutschsprachige Suchmaschine lief. Damit schließt
sich der Kreis der Legendenbildung. In einer Zeit, als im Fernsehen
eigentlich nur arte über die Ereignisse und Entwicklungen im
Internet sendete, als nur Universitäten und vereinzelte Unternehmen
(T-Online und so etwas war nicht dabei) überhaupt im Internet waren, in
der Zeit, waren auch schon Kinder im Netz und es gab auch schon Eltern,
die das Angebot der Kinder bauten, also Internet machten.
Erst viel später, etwa gegen 1999 / 2000 entdeckte man Kinder als
Multiplikatoren im Internet für kommerzielle Produkte. Erst viel später
bemerkten viele Fernsehsender, dass wer zu spät kommt, einfach nur im
Neuen Medium an Sendeplätzen verliert.
Auch hier wieder drei Gruppen. Den einen war das alles egal, Hauptsache,
sie waren online. Den anderen ging es nur um ihre Produkte, auch wenn
niemand die Seiten besuchte, und wieder andere vernetzten sich im Sinne
des World Wide Web mit der vorhandenen Kinderseitenlandschaft.
Wenn Sie all das noch nie gehört haben in all den Eltern-Informationen,
dann deshalb, weil viele Leute viel schreiben, aber das Internet genauso
wenig kennen, wie im Moment vielleicht Sie. Aber, glauben Sie uns das
einfach, Sie werden auf diese "Legende" immer wieder stoßen, Und Ja, bei
der Blinden Kuh sind Ihre Kinder tatsächlich im echten und freien
Internet.
Dieses Internet ist das, was wir und Sie und andere daraus machen. Ja,
auch Sie machen ja das Internet. der eine mehr, der andere weniger, und
bei einigen sieht man nicht soviel. Alles, was Sie meinen, was fehlt im
Internet, ist genau das, was Sie eben nicht ins Internet gestellt haben.
Alles, was bei der Blinden Kuh ins Internet gestellt wurde, ist nur das,
was die Leute der Blinden Kuh und all die Kinder gemacht haben. Mehr ist
da eben nicht. Aber, es ist mehr als irgendwo anders. Kein Wunder,
rechnen Sie doch einmal in Jahren. Seit 1996 wird das hier gemacht. Da
war eben viel Zeit, etwas zu machen. Das machte die Blinde Kuh auch so
immens fett. Die Zeit und die Symbiose zwischen Angebot und Besuchern.
Nein, wir machen Ihnen das Internet nicht einfacher als es
ist. So einfach ist das nämlich alles überhaupt nicht. Unsere
Hinweise für Eltern sind daher auch etwas komplexer als auf
Seiten, in denen alles so einfach klingt, wohl auch deshalb,
weil die, die so etwas schreiben, selbst nie Internet gemacht
haben. Um ganz ehrlich zu sein, viele Tipps für Eltern können
wir eher nur schwer nachvollziehen. Teils stammen die aus
einem ganz anderen Bereich. Ein Beispiel, oft zitiert wird
Prof. Dr. Stefan Aufenanger, allerdings meist ohne
Quellenangabe und ohne dass man sagt, das man ihn zitiert. Er
schrieb seinerzeit zum Thema Computerspiele für diverse
Zeitschriften und Zeitungen. Er bezog sich aber auf
Computerspiele. Computerspiele und Internetseiten sind ein
großer Unterschied. Das eine kann man als Eltern einigermaßen
in den Griff bekommen, das Internet aber nun ganz und gar
nicht.
Ein weiterer, der oft zitiert wird, ist Tobias Gehle, der
seinerzeit seine Diplomarbeit schrieb. Er bezog sich aber auf
ein Internet vor 1998, also lange bevor in Deutschland Kinder
überhaupt in der Größenordnung online waren. Er beschrieb da
auch eher Dinge im US-Internet, die sich auf das heutige
Internet kaum übertragen lassen. Tatsächlich waren damals auch
in Deutschland alle Surftipps eher in das US-Internet und alle
Kinder mussten Englisch können. Tobias Gehle ist seit vielen
Jahren Redakteur bei WDR5 Radio Lilipuz und dort auch der
Macher des dortigen Internet-Auftrittes.
Auch andere werden zitiert, unter anderem die Blinde Kuh.
Dazu können wir sagen, wir sagen heute dies und morgen das,
aber nichts davon sind Gesetze, die man in Marmor hauen
sollte. Und schön wäre es auch, wenn man sagt, dass man etwas
bei uns abgeschrieben hat. Aussagen ohne Quellenangabe in den
Medien sind äußerst fragwürdig. Ebenso auch Aussagen von
Professoren, die mit Internet nichts zu tun haben. Das macht
die Sache keineswegs wissenschaftlicher.
Doch allem Gerede zum Trotz, es kann nur Anregung sein. Entscheidungen
müssen Sie als Eltern selbst fällen.
Denken Sie immer daran, das Internet wird eben auch von Eltern gemacht.
Denn auch Eltern können schon denken, sie können HTML, sie können
komplexe Webtechnologien programmieren, sie können aufwendige Inhalte
schreiben, sie können sich engagieren, sie können etwas bewegen und
verändern, und glauben Sie uns einfach, Eltern tun das sogar.
Eltern stehen also nicht ohnmächtig und tatenlos einer neuen Entwicklung
gegenüber.
Sie können jederzeit das Internet verändern, wann immer und
wie auch immer Sie es wünschen. Sie können jederzeit selbst
Kinderseiten machen und das sogar genau so, wie Sie es wollen.
Und wenn Sie ein Beispiel brauchen, bei der Frage, ob so etwas
denn Sinn macht oder nicht, dann denken Sie einfach an die
Blinde Kuh. Wir denken ja, es macht Sinn, auch wenn unsere
Kinder schon zu alt sind, die Blinde Kuh für Ihre Kinder am
Leben zu lassen.
Sie müssen die Blinde Kuh nicht nachbauen, die gibt es ja
schon. Suchen Sie sich Themen aus, die Sie für sinnig halten
und bereichern Sie die Kinderseitenlandschaft um ein paar
Surfwelten mehr. Und, machen Sie Ihre Seiten dann sicher für
Kinder, denn Tretminen basteln bereichert die
Kinderseitenlandschaft nicht.
Doch wenn Sie es tun, erfinden Sie bitte das Internet nicht auch noch
mal neu, sondern suchen Sie die Wege der Vernetzung.
Warum?
Weil man das so macht im World Wide Web.
|